Gründergesellschaft gibt grünes Licht für Anschubfinanzierung

Bahn frei für Cargo sous terrain

Schnittbild des Projekts Cargo sous terrain.
Mit dem Lift werden in den Hubs die Behälter aus dem Untergrund nach oben geholt.
Blick in eines der zukünftigen Logistikzentren von Cargo sous terrain. Bilder: CST
Antonio Suarez / Redaktor Smart Tech /

Das unterirdische Gütertransportsystem hat mit der zugesagten Finanzierung von 100 Millionen Franken für die Baubewilligungsphase die nächste Etappe gesichert. Mehr als die Hälfte steuern Schweizer Unternehmen bei. Bis 2020 soll ein Gesetz verabschiedet werden. Anschliessend wird die Planung fortgesetzt. Ab 2024 sollen die ersten Bagger auffahren und 2030 soll die erste Teilstrecke stehen. Die Finalisierung ist für 2045 projektiert.

Cargo sous terrain ist ein ambitioniertes und teures Vorhaben. Die Gesamtkosten für Planung, Entwicklung und Realisierung werden derzeit auf insgesamt 33 Milliarden Franken geschätzt. Das Infrastrukturprojekt soll dereinst die wichtigsten Städte des Mittellandes miteinander in einem grossen unterirdischen Logistiknetz verbinden. Innerhalb des rund 20-40 Meter unter der Erde liegenden Tunnelnetzes werden die Waren über autonom gesteuerte Fahrzeuge mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde von einem Hub zum nächsten verschoben. Via Lift gelangen die Fahrzeuge von den Tunnelröhren zu den Hubs. Aus diesen Verteilzentren werden die Güter schliesslich über ein oberirdisches Feinverteilsystem an die Logistik- und Transportunternehmen distribuiert.

Die erste Teilstrecke soll bis 2030 realisiert werden. Sie führt vom Logistikknotenpunkt Härkingen-Niederbipp im zentralen Mittelland bis nach Zürich. Im Endausbau soll das vollautomatisch betriebene Tunnelnetz eine Länge von 450 Kilometern umfassen und von Genf bis St. Gallen und von Basel bis Luzern reichen, einschliesslich eines Astes von Bern nach Thun. Im Vollausbau werden insgesamt über 80 Hubs zum Ein- und Ausladen der Waren für Industrie und Handel bereitstehen.

40 Prozent weniger Schwerverkehr

Das Untergrundtransportsystem soll den oberirdischen Lastwagenschwerverkehr auf den bestehenden Verkehrsachsen entlasten. Die Projektverantwortlichen rechnen mit einer Reduktion des Schwerverkehrs von rund 40 Prozent. Zudem soll der Güterverkehr in den Städten durch die systematische und effiziente Auslieferung mit stadtgerechten Elektrofahrzeugen um bis zu 30 Prozent gesenkt werden, heisst es in einer entsprechenden Pressemitteilung der Projektierungsgesellschaft.

Weiter ist angedacht, das System vollumfänglich mit erneuerbarer Energie zu betreiben. Dank einer vollständigen Digitalisierung von der Quelle bis zur Senke soll es flexibel und exakt operieren. Damit sollen dynamische Lieferungen in kleinen Einheiten ermöglicht werden, was eine Just-in-time-Lieferung garantieren soll. Durch die pünktliche Lieferung von Paletten, Behältern und Paketen liesse sich eine hohe Versorgungssicherheit gewährleisten.

Bund und Kantone geben grünes Licht

Am 23. Januar sicherten schweizerische und internationale Firmen ihr Kommittment zu. Damit sind die Voraussetzungen erfüllt, um im nächsten Schritt das entsprechende Bundesgesetz zu erarbeiten und zu verabschieden. Da das Infrastrukturprojekt ausschliesslich mit privaten Mitteln finanziert werden soll, verlangte der Bund von den beteiligten Investoren, dass sie gewisse Vorgaben zur Realisierung einhalten. Die Bedingungen legte der Bundesrat im November 2016 fest.

Dazu zählen nebst der Anschubfinanzierung von 100 Millionen Franken für die Planungs- und Baubewilligungsphase, der Nachweis der Verankerung bei Händlern, Verladern und Logistikern sowie die Unterstützung der Kantone entlang der ersten Teilstrecke. Es handelt sich dabei um Bern, Solothurn, Aargau und Zürich, welche die entsprechenden Zusagen schriftlich festgehalten haben. Weitere Bedingungen für das Projekt sind ein diskriminierungsfreier Zugang zum System sowie der Verzicht auf finanzielle Mittel der öffentlichen Hand. Laufend überprüft werden die bundesrätlichen Vorgaben durch das Bundesamt für Verkehr.

In einer Arbeitsgruppe hatten sich die Kantone mit dem Projekt auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass Cargo sous terrain mit dem zunehmenden Netzausbau eine entlastende Wirkung auf das Schwerverkehrsaufkommen haben wird. Auf der Grundlage dieser Vorabklärungen bekräftigten sie anschliessend der Bundesrätin Dors Leuthard ihr Interesse an der Weiterverfolgung des Projekts. Wie wichtig die Zusicherung der Kantone war, bestätigte Verwaltungsratspräsident Peter Sutterlüti an der Medienorientierung im Januar: «Es ist aus unserer Sicht zentral, dass die Anliegen der Kantone und von CST in die Planung einbezogen werden.» Die Koordinierung durch die Kantone wird auch künftig durch die Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz sichergestellt.

Finanzkräftige Beteiligung aus Frankreich und China

Mit neun der elf beteiligten Investoren für die Baubewilligungsphase stellen die Schweizer Unternehmen den Hauptharst der privaten Trägerschaft. Darunter gehören namhafte Firmen wie Credit Suisse, die Züricher Kantonalbank, die Schweizerische Mobiliar, Helvetia Versicherungen, Swisscom, Die Schweizerische Post sowie die Grossverteiler Coop und Migros. Als einzige KMU ist mit Gotthard 3 Mechatronic Solutions ein wichtiger Technologiepartner mit an Bord (siehe Interview mit CEO Stefan T. Schimon). Die inländischen Hauptinvestoren stellen die Mehrheit des Kapitals, womit die Projektverankerung innerhalb der Schweiz sichergestellt ist.

Fast die Hälfte des Investitionsvolumens stammt jedoch aus dem Ausland. Die Firma Meridiam aus Frankreich ist auf die Entwicklung, Finanzierung und Leitung von langfristigen und nachhaltigen Infrastrukturprojekten spezialisiert. Sie ist weltweit an rund 60 Projekten beteiligt und betreibt Niederlassungen in Paris, New York, Toronto, Luxemburg, Istanbul, Wien, Addis Abeba und Dakar. Ein gewichtiges Wort bei der weiteren Entwicklung des Projekts wird auch die Dagong Global Investment Holding Group aus Peking mitreden. Die 1994 gegründete Firmengruppe ist weltweit als Ratingagentur tätig und steht international in Konkurrenz zu Branchengrössen wie Moody’s oder Standard & Poor’s aus den USA. Dagong betätigt sich weltweit an Projekt- und Technologieentwicklungen, Markt- und Investitionsberatungen sowie Infrastrukturinvestitionen.