30 Jahre Hadimec – Im Gespräch mit Geschäftsfeldentwickler Jacques Sutter

«Die Wege müssen noch kürzer werden»

Jacques Sutter während der Führung durch die SMD-Abteilung der Hadimec anlässlich des Firmenjubiläums. Bilder: Hadimec AG
Melone mit dem Firmenlogo, geschnitzt von einer Mitarbeiterin anlässlich des Jubiläums.
Antonio Suarez / Redaktor Smart Tech /

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Hadimec AG sprach Smart Tech mit Jacques Sutter. Der Geschäftsfeldentwickler beantwortete unter anderem Fragen zur Firmengeschichte, zur Berliner Tochter Britze, zum Produktionsstandort Schweiz, zum Frankenschock, dem Marktumfeld und Absatzgebiet sowie zum Kundenprofil.

Sie feiern das 30-jährige Bestehen der Hadimec AG. Wie waren die Anfänge?

1987 wurde die Hadimec Verbindungstechnik AG als reiner Steckverbinderlieferant und Repräsentant des US-Elektronikkonzerns ITT Cannon gegründet. Das Geschäft mit der Bestückung von Leiterplatten wurde erst einige Jahre später aufgenommen, bevor schliesslich noch die Kabelkonfektion als Geschäftsfeld dazu stiess.

Welchen Anteil haben ITT-Cannon-Produkte noch in der Fertigung von Hadimec?

ITT Cannon macht nur noch einen kleinen Teil des Ganzen aus, denn inzwischen übertrifft das Segment Leiterplattenfertigung alle anderen Geschäftsbereiche haushoch. EMS- und THT-Bestückung sowie Testing und Box Building machen 70 Prozent des Geschäfts aus. Das Kabelgeschäft macht immerhin noch 20 bis 25 Prozent aus und ist für uns nach wie vor von erheblicher Bedeutung, schliesslich zählen in dieser Sparte namhafte Firmen zu unseren Kunden. Hier sehen wir allerdings noch Ausbaupotenzial.

Welche Entwicklungen liegen im Steckverbindermarkt derzeit im Trend?

Die Steckverbinder von ITT-Cannon sind aus Metall und müssen diverse Eigenschaften wie Robustheit, Vibrations- und Abschirmungsresistenz sowie Schlagfestigkeit aufweisen. Seit zirka drei Jahren gibt es inzwischen das ganze Sortiment bleifrei. Man merkt, dass viele Firmen dieses Jahr damit begonnen haben, auf die neuen, umweltfreundlicheren «Blue Generation»-Steckverbinder mit Zink-Nickel-Beschichtung zu setzen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sich diese Technologie in Zukunft zum obligatorischen Standard entwickeln wird.

Sie sind seit nunmehr über sieben Jahren bei Hadimec und kennen die Geschichte der Firma aus dem Effeff. Welche Meilensteine haben Sie im Verlauf der Entwicklung erreicht?

In den Anfängen wuchs die Firma relativ rasch. Zwischen Ende 2007 und Anfang 2008 erfuhr sie eine wichtige Veränderung, als der ursprüngliche Besitzer den Betrieb an eine Investorengruppe verkaufte. Die vier befreundeten Inhaber sitzen heute im Verwaltungsrat. Zwei der Inhaber waren zu Beginn noch als CEO beziehungsweise CFO engagiert. 2014 stiess Christian Villiger als neuer CEO und Investor zur Firma. Mit ihm haben wir heute jemanden, der ein solides Know-how des Geschäfts mitbringt und der Firma eine stärkere technologische Ausrichtung gibt. Vor vier Jahren kam die Berliner Firma Britze Elektronik & Gerätebau GmbH als Tochter hinzu. Gemeinsam mit dem Produktionsstandort in Hunedoara hat die Hadimec damit ihre Präsenz in Europa ausgebaut. Wichtige Meilensteine waren letztlich auch unser neuer Webauftritt sowie die Positionierung von Hadimec in der Gruppe.

Was geschah nach der Akquisition. Wie integrierte sich das deutsche Unternehmen in die Gruppe?

Im Bereich Einkauf arbeiten wir bereits heute eng zusammen. Wir haben ausserdem über das letzte Jahr hinweg an einem gemeinsamen Auftritt gearbeitet und treten nun gegen aussen einheitlich auf. Die Nähe zum Kunden bleibt aber nach wie vor wichtig und wir arbeiten in teilweise sehr lokalen Märkten. Unsere deutschen Partner sind zum Beispiel stark im Bereich der Schiffskabinenelektronik für die Hochsee- und Kreuzschifffahrt. Während wir mehr auf Medizinelektronik spezialisiert sind. Der Zufall will es, dass beide Unternehmen dieses Jahr ein rundes Jubiläum feiern. Darauf spielt unser Claim «70 Jahre E2MS Kompetenz» an. Da lag es auf der Hand, die Firmenjubiläen gemeinsam zu planen. Britze wird dieses Jahr 40 Jahre alt.

Produzieren Sie wenn immer möglich in der Schweiz?

Ja, aber nicht auf Biegen und Brechen. Die Konkurrenz, insbesondere in Osteuropa, kann oft zu günstigeren Konditionen anbieten. Wir halten aber am Produktionsstandort Schweiz fest. Kurze Wege, höchste Qualität und Zuverlässigkeit sowie schnelle Reaktion auf Kundenwünsche sind für uns wichtig. Zudem bietet die Schweiz einige Vorteile: einen hohen Bildungsstand, relativ tiefe Unternehmenssteuern oder auch eine hohe Flexibilität bei den Arbeitnehmern.

Inwieweit war das Erstarken des Schweizer Franken in diesem Umfeld ein Problem?

Meiner Meinung nach haben wir aus den Folgen des Nationalbankentscheids das Beste gemacht. Wir haben alle Prozesse optimiert und die Laufzeit der Produktion weiter verringert. Wir führten für gewisse Produkte mit lohnenswerten Stückzahlen die Lean Production ein. Wir haben auch eine Fertigungsinsel geschaffen, in der das gesamte Produktionsmaterial nah an der Linie zur Verfügung steht, um die Produktion der Module zu beschleunigen. Obwohl wir organisatorisch bereits viel realisiert haben, müssen die Wege noch etwas kürzer werden. Unser Ziel für nächstes Jahr ist, die SMD-Abteilung näher an den THT-Bereich heran zu führen. Der Umzug wird aufwendig. Doch sobald er vollzogen ist, werden wir den kompletten Prozess von der SMD- und THT-Bestückung über den elektrischen Test bis zur Endmontage auf einem Stockwerk konzentriert haben.

Gewinnt auch bei Hadimec die SMD-Technologie gegenüber der THT-Montage immer mehr an Terrain?

Aus Preisgründen werden heute möglichst viele Komponenten mit dem SMD-Verfahren gefertigt. Im Bereich der Input-Output-Steckverbinder ist THT jedoch noch immer das vorherrschende Verfahren – dies vor allem aus Stabilitäts- und Leistungsgründen. Der Trend geht aber in Richtung Through-Hole-Reflow-Stecker. Ausserdem gibt es grosse Spulen und Drosseln oder auch Trafos, die weiterhin manuell montiert werden müssen.

Gibt es folglich Komponenten, die auch in Zukunft von Menschenhand statt mit Robotern bestückt werden?

Das ist richtig. Bei der Kabelkonfektion im Medizinalbereich müssen die Kabel von Hand gereinigt werden, bevor der Kontakt staubfrei in der Überdruckkabine silikonisiert werden kann. Teilweise kann die Abmantelung automatisiert werden. Doch auch hier bleiben Rückstände des Greifers zurück. Es bleibt daher noch genügend Handarbeit übrig, gerade auch was die Lötarbeit betrifft.

Welche Herausforderungen erwartet Hadimec für die kommenden Jahre?

Wir sind ein Unternehmen mittlerer Grösse und sind laufend auf Investitionen in den Maschinenpark und in die Fertigungsprozesse angewiesen, um uns zum Technologieführer zu entwickeln. Diese Investitionen haben wir in jüngster Zeit auch getätigt. Beispielsweise haben wir neue SMD-Pastendrucker, Reworkstations für Ball Grid Array- und Fine-Pitch-Gehäuse beschafft. Wir müssen uns gegenüber den ganz grossen Playern behaupten. Dazu sind wir heute imstande. Wir möchten aber weiter wachsen. Der Schweizer Markt ist begrenzt, deshalb müssen wir auch über die Grenzen hinweg nach Kunden Ausschau halten. Wir befinden uns auf dem Wachstumspfad.