Kübler-Gruppe präsentiert im Vorfeld der SPS IPC Drives zahlreiche Neuheiten

Gelebte Innovation

Die Neigungssensoren IN81/IN88 machen mobile Anwendungen sicherer. Bilder: Kübler
Das lineare Messsystem für absolute und sichere Schachtkopierung.
Der Sendix S36 reduziert die Motorvarianten und standardisiert den mechanischen Anbau.
Markus Back / Chefredaktor Smart Tech /

Bekannt ist die Kübler-Gruppe vor allem für ihr Know-how im Bereich der Drehgeber. Doch die Expertise reicht inzwischen weit darüber hinaus. Bei einer Pressekonferenz präsentierte der süddeutsche Hersteller unter anderem ein lineares Messsystem, robuste Neigungssensoren und ein innovatives Feedbacksystem für Servomotoren.

Der Hersteller lebt Innovation. Dies betonte auch Geschäftsführer Lothar Kübler zu Beginn der Pressekonferenz, die Mitte September am Titisee beim Feldberg stattfand. Mittlerweile arbeitet fast jeder Fünfte der inzwischen weltweit über 480 Mitarbeitenden im Bereich ‚Forschung & Entwicklung‘. Dieser Aufwand spiegelte sich auch in den vorgestellten Neuheiten, die anlässlich der SPS IPC Drives in Nürnberg erstmals einem breiten Publikum gezeigt werden.

Messsystem für sichere Schachtkopierung

Lifte fahren auf und ab. Doch die Branche kennt seit Jahren nur eine Richtung – und zwar senkrecht nach oben. Rund 800000 Aufzüge gehen jährlich neu in Betrieb, die allermeisten davon in China. Angesichts dieser gigantischen Absatzzahlen will nun auch die Kübler-Gruppe von diesem Geschäft profitieren und entwickelte ein lineares Messsystem für die sichere Schachtkopierung. Dieses entspricht bereits den zum 1. September 2017 in Kraft getretenen Normen EN 81-20 und EN 81-50 und gibt über die gesamte Förderhöhe von bis zu 392 Metern absolute Positionswerte mit einer Auflösung von 1 Millimeter heraus.

Das lineare Messsystem wird direkt auf der Aufzugskabine montiert und benötigt keine Lernfahrten oder Referenzfahrten nach einem Stromausfall. Ein weiterer Vorteil der direkten Montage ist die schlupffreie Messung. Sie schliesst Messfehler durch Vibrationen oder dynamische Seileffekte von vornherein aus und garantiert so stets die absolute Position der Aufzugskabine. Für eine lange Lebensdauer sorgen neben dem berührungslosen Messprinzip das Sensorgehäuse aus Aluminium sowie das Edelstahlband in V2A. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist die Montage des Messsystems, welche in diesem Fall wirklich als kinderleicht beschrieben werden kann. Das Edelstahlband wird am Schachtkopf einfach an einem im Montage-Set enthaltenen Karabinerhaken eingehängt und in der Schachtgruppe mit einem Federelement befestigt. Mehr braucht es nicht. Die Montage von Positionsschaltern auf jedem Stockwerk entfällt, da durch das absolute Messprinzip die einzelnen Etagen einfach nur noch in der Steuerung eingeteacht werden müssen.

Robuste Neigungssensoren

Für mehr Sicherheit im Alltag sollen die robusten Neigungssensoren IN81/IN88 (E1 und UL zertifiziert) für die mobile Automation sorgen. Diese erfassen geometrische Daten wie Länge, Neigung und Winkel, woraus sich wichtige Informationen ableiten lassen, um beispielsweise ein Kippen von Fahrzeugen zu vermeiden. Mögliche Anwendungsgebiete für die beiden Sensoren sind beispielsweise die Messung eines Mastaufstellwinkels einer Arbeitsplattform oder der Einsatz in Mobilkranen, um den Winkel des Auslegers sowie die Fahrzeugnivellierung zu erfassen.

Damit die Neigungssensoren den harten Ausseneinsatz unbeschadet überstehen, integrierte sie Kübler in ein robustes Gehäuse, dass die Schutzart IP67/IP69k, eine Schockfestigkeit bis 100 g und eine Vibrationsfestigkeit bis 10 g garantiert. Die verbauten Komponenten sind für einen Temperaturbereich von -40 bis 85° C ausgelegt. Die IN81/IN88 erfassen zweidimensionale Neigungen im Messbereich von ±85° und eindimensionale Neigungen bis 360°, wobei die Auflösung 0,01° bei einer absoluten Genauigkeit von maximal ±0,1° beträgt. Individuell parametrierbare Filtereinstellungen erlauben die Anpassung an die Applikation, wobei die Sensoren wahlweise mit CANopen (IN88) oder analoger Schnittstelle (IN81) erhältlich sind.

Motorfeedback-Drehgeber und Einkabel-Lösung

Die Kommunikation zwischen Motorfeedback-System und Antriebsregler ist für die Leistung eines Antriebssystems entscheidend. Doch bisher bestimmen proprietäre Schnittstellen über die Auswahl der Komponenten und nicht etwa die Anforderungen an die Applikation. Durch die Trends, dass Antriebshersteller zunehmend eine Second-Source-Strategie verfolgen, um Kosten und Risiken zu minimieren, und das sich proprietäre Schnittstellen öffnen, ergeben sich eine grössere Flexibilität und eine verbesserte Kosteneffizienz. Ein weiterer Trend in der elektrischen Antriebstechnik ist die Einkabel-Lösung, die weitere Kosteneinsparungen erlaubt. Diese Entwicklungen hat Kübler nun dazu veranlasst, gemeinsam mit Herstellern von Servomotoren und Umrichtern den Motorfeedback-Drehgeber Sendix S36 zu entwickeln, der auf einer Plattform basiert und als Schnittstellen RS485 (+ sin/cos), BiSS, Biss Safety, BiSS Line (Einkabel-Lösung = EL) und SCS open Link (EL). Durch diese breite Auswahl ist die elektrische Schnittstelle fortan nicht mehr der limitierende Faktor.

Der Sendix S36 stellt bei einer Baugrösse von 36,5 Millimetern eine Auflösung von 2048 SinCos/Umdrehung oder 24 Bit volldigital bereit. Ein von Kübler entwickeltes Steckerkonzept sorgt dafür, dass sich die Steckverbinder am Drehgeber auch in harten und rauen Umgebungen nicht lösen. Die verblockten und formschlüssigen Lager verzeihen Montagefehler und kompensieren Wellenbelastungen, wie sie durch Temperaturausdehnungen oder Vibrationen entstehen können.