Im Gespräch mit Geschäftsführer Paolo Salvagno von B&R Schweiz

«Unsere neuen Büros machen Eindruck»

Geschäftsführer Paolo Salvagno zeigte sich beim Ausbau des Forschungsstandorts Frauenfeld kreativ, um für die benötigten Fachkräfte attraktiv zu sein. Bild: B&R
Markus Back / Chefredaktor Smart Tech /

B&R baut sein firmenweites Entwicklungscenter für Leistungselektronik und Software am Standort Frauenfeld massiv aus. Bis zum Jahresende soll sich die Mitarbeiterzahl in diesem auf nahezu 40 verdoppeln. Um diese zusätzlichen Leute zu integrieren, braucht es zusätzlicher Bürofläche. Und deren Ausgestaltung war gar nicht so leicht, wie das Gespräch mit Geschäftsführer Paolo Salvagno zeigt.

Ihr habt die Büros Eurer FE-Abteilung nach den Wünschen und Bedürfnissen der Mitarbeiter gestaltet. Wie sind die ersten Erfahrungen mit den neuen Arbeitsplätzen?

Durchaus erfreulich. Einerseits durch die Rückmeldungen der Mitarbeiter direkt, die von einem sehr angenehmen und ruhigen Arbeiten sprechen, anderseits durch unsere Partner und Kunden, die sich bislang alle nur positiv geäussert haben.

Wie unterscheiden sich die jetzigen Arbeitsplätze von denen zuvor?

In vielerlei Hinsicht! Aber der wohl deutlichste Unterschied sind die eingerichteten Begegnungszonen, in denen sich die Mitarbeiter treffen und diskutieren können. Da diese sehr schnell erreichbar sind und auch konsequent genutzt werden, ist der Geräuschpegel sehr tief, obwohl es sich um ein Grossraumbüro handelt.

Nicht alle Mitarbeiter fanden den Gedanken an einem Arbeitsplatz im Grossraumbüro gut. Wie wurden deren Bedenken zerstreut?

Deren Sorgen haben wir im offenen Dialog zerstreut. Dabei haben uns Studien und Analysen geholfen, die sich mit dem Phänomen ‚Grossraumbüro‘ befassen und die wir in unser Konzept miteinfliessen liessen. Dazu gehören unter anderem die speziell eingerichteten Begegnungszonen zum Austausch und Diskutieren.

Ihre FE-Abteilung soll von aktuell 21 auf 40 Mitarbeiter ausgebaut werden. Inwieweit spielt der bereitgestellte Arbeitsplatz eine Rolle im Kampf um die Talente?

Dieser ist ganz sicherlich ein wichtiges Instrument beim Anwerben neuer Mitarbeiter, auch wenn sich das nicht unbedingt an Zahlen festmachen lässt. Aber unsere neuen Büros, das zeigte sich bereits in den ersten Monaten, machen bei den Bewerbern schon gehörigen Eindruck. Ich habe zumindest schon manches ‚Wow’ gehört.

Es gab Überlegungen, keine festen Arbeitsplätze mehr anzubieten. Wieso wurden diese Gedanken verworfen?

Unser externer Berater sprach sich gegen personifizierte Arbeitsplätze aus. Wir haben allerdings festgestellt, dass gerade in der Leistungselektronik die eigenen Arbeitsplätze enorm wichtig sind, weil man es den Mitarbeitern nicht zumuten kann, jeden Abend ihren Arbeitsplatz picobello aufzuräumen. Die müssen eine Leiterplatte und das Werkzeug, mit dem sie gerade an dieser arbeiten, auch einmal liegen lassen können. Ausserdem zeigen Untersuchungen, dass sich der Mensch sehr stark von seinen Gewohnheiten leiten lässt. Der, der morgens als erster kommt, setzt sich immer wieder an den gleichen Platz. Wieso soll man ihm dann nicht gleich einen festen Arbeitsplatz zuteilen, den er nach seinen persönlichen Bedürfnissen gestalten kann?

Ihr habt Euch die Planung der neuen Bürolandschaft nicht leicht gemacht. Nach einem Jahr Planungsarbeit habt Ihr alles verworfen und nochmals von neuem begonnen. Wieso?

Diese erste Phase brauchte es, um zu diesen Erkenntnissen zu gelangen, die wir jetzt umgesetzt haben. Zudem sind wir keine Innenarchitekten oder Kreativplaner und gingen anfangs vielleicht auch etwas zu naiv an die Sache, weil wir glaubten, dass die Planung eines Büros ja nicht so schwer sein kann. Aber irgendwann zeigte sich, dass wir so nicht vorankommen und stellten daher wieder alles auf null. Dies war keine leichte Entscheidung und musste auch gegenüber der Geschäftsleitung argumentiert werden. Doch das Ergebnis lässt sich zeigen und ist innerhalb von B&R einmalig.

Diese Einmaligkeit dürfte nicht von langer Dauer sein. B&R baut derzeit in Salzburg und Graz weitere Entwicklungszentren. Da wird doch bestimmt auf Eure Erfahrung zurückgegriffen?

Die Räumlichkeiten der Kollegen in Graz lassen sich mit unseren hier in Frauenfeld nicht vergleichen, weshalb es mit diesen keinen Austausch gab. Allerdings waren die Salzburger hier, um sich inspirieren zu lassen. Sie waren vor allem für unseren Tipp dankbar, dass sie unbedingt mit einem Kreativplaner das Konzept für ihren neuen Büros erstellen sollen.

Und warum keinen Innenarchitekten?

Diesen braucht es je nach örtlicher Begebenheit auch, beispielsweise wenn es um Fragen der technischen Umsetzbarkeit oder die Einhaltung von Vorschriften geht, aber ein Kreativplaner betrachtet den Raum mit anderen Augen wie ein Innenarchitekt und bringt daher ganz andere Ideen und Vorschläge ein.

Die Entwicklungsabteilung ist ja nur ein Teil von B&R in Frauenfeld. Wie hält man die Mitarbeiter, die in den alten Büros arbeiten müssen, bei Laune?

Das ist eine berechtige Frage! Wir haben natürlich weitergehende Pläne, aber jetzt wollen wir zunächst einmal zusätzliche Erfahrungen mit den neuen Büros sammeln und später, wenn alles läuft, die übrigen optimieren. Fairerweise muss man aber auch festhalten, dass die bestehenden Büros ja auch nicht so schlecht sind. Alles Neue ist anfangs interessant. Aber daran gewöhnt man sich schnell und nach wenigen Wochen ist es bereits selbstverständlich.

Der B&R Standort Frauenfeld für die Hardwareentwicklung nahm im Jahr 2011 mit drei Personen seine Arbeit auf. Heute umfasst das Team bereits 21 Personen, welches im April 2017 in die neuen Räumlichkeiten umziehen durfte. In diesen entstanden in drei Monaten Bauzeit 40 hochwertige Arbeitsplätze für die Hardwareentwicklung im Bereich der Leistungselektronik sowie für die Softwareentwicklung. Das von rund 350 auf 1500 Quadratmeter erweiterte Entwicklungscenter wurde nach den neusten Erkenntnissen der Next-Office-Studien geplant und realisiert, die sich an den Vorteilen von Activity Based Working orientieren. Dabei geht es darum, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, dass einen spontanen Austausch ermöglicht und so ein kreatives Klima unterstützt.