Virtual-Reality-Brillen als Sehhilfen

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Die virtuelle Welt gilt als der Trend der Zukunft und doch scheint der Hype darum in den letzten Jahres etwas abgeflacht zu sein. Auf dem Mobile World Congress 2017 war von der Aufbruchsstimmung der letzten Jahre wenig zu spüren und weitreichende Innovationen suchte man vergebens. Dabei können neuartige Technologien und die Weiterentwicklung der virtuellen Realität nicht nur die Wirtschaft effektiver gestalten, sondern auch das Leben von Menschen mit Handicap vereinfachen. Wie das umsetzbar ist, zeigt beispielhaft ein Start-up der Universität Hohenheim.

«Automatisierung», «Digitalisierung», «Industrie 4.0» und «Virtuelle Realität» - das sind laut des Hamburger Trendforschers Torsten Rehder die Schlüsseltrends der kommenden Jahre für Unternehmen. Das Schweizer Unternehmen Zühlke etwa macht deutlich, inwiefern die Industrie davon profieren kann. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Jungheinrich aus Hamburg, das Flurförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik herstellt, hat Zühlke die sogenannte HoloLens entwickelt, eine Datenbrille mit zugehöriger App, die mithilfe von Mixed Reality Juniortechniker bei der Reparatur von Staplern anleitet. Dazu projiziert die Datenbrille Anleitungen in das Sichtfeld des Trägers und blendet virtuelle Elemente in die reale Umgebung ein.

Mit Virtual Reality die Lebensqualität erhöhen
Die Ausgründung ANDERS VR der Universität Hohenheim geht noch einen Schritt weiter, sie macht aus der Brille als Sehhilfe und vielseitiges Accessoire ein digitales Hilfsmittel für kranke und alte Menschen. Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille sowie einer selbstlernenden App können Menschen mit eingeschränkter Mobilität mehr Lebensqualität gewinnen. Momentan testen Patienten in Stuttgarter Krankenhäusern VR-Brille und App und können damit dem Krankenzimmer für eine Weile entfliehen. Das Entwicklerteam um Dr. Andreas Haas hofft, mit dem Einsatz der Virtual-Reality-Brille die psychische Belastung von Patienten zu senken und die Medikamentengabe zu reduzieren. So können beispielsweise Menschen mit eingeschränkter Mobilität in ihren eigenen vier Wänden mit Anleitung leichte Yoga-Übungen machen und sich auf diese Weise körperlich und geistig fit halten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt eine Kooperation von Framos und dem CDTM-Institut der Technischen Universität München (TUM). Ein 3D-fähiges Wearable soll Menschen mit einer Sehbehinderung in ihrem Alltag unterstützen, denn für Millionen Blinde weltweit sind etwa Verkehrszeichen oder Strassenschilder unsichtbar. Die intelligente Datenbrille erkennt dank der integrierten Kamera Schriftzüge und Objekte in der Umgebung und sendet die Informationen in Echtzeit via Bluetooth in Form haptischer Signale an das mit Vibrationsfunktion ausgestattete Armband.

Auch Samsung setzt sich mit der virtuellen Welt auseinander: Das südkoreanische Unternehmen hat für sein VR-Headset Gear VR eine App entwickelt, die es Menschen mit einer Sehschwäche ermöglicht, über die Kamera ihres Smartphones die Aussenwelt besser zu erkennen. Die App Relúmĭno vergrössert oder verkleinert Objekte in der Umgebung, je nachdem welche Bereiche schwer erkennbar sind. Auch Konturen können verstärkt werden, sodass Menschen, die unter Tunnelsicht leiden oder einen blinden Fleck haben, die App sinnvoll im Alltag nutzen können. Bislang gibt es die App zwar nur in englischer Sprache, doch Samsung plant eine Weiterentwicklung.     

Bildrechte: Flickr, ZANADU Travel VR glasses, zu DirkCC BY 2.0. Bestimmte Rechte vorbehalten.