Gedanken zum 3D-Druck

Wir stehen erst am Anfang

Typische Anwendungen in der Dentaltechnik sind Kronen, Käppchen, Modellgüsse und Sekundärkonstruktionen aus Kobalt-Chrom, Titan- oder Edelmetalllegierungen.
Christof Lampert / Redaktor Smart Tech /

Per Knopfdruck ein neue Zahnkrone oder ein neues Hüftgelenk? Klingt wie Utopie oder aus einem schlechten Science-Fiction-Film. Weit gefehlt, denn das Einsatzgebiet von 3D-Druckern wird immer vielseitiger.

Der Discounter Aldi hatte kürzlich in England einen 3D-Drucker für knappe 400 Euro im Angebot. Ausstattungsmerkmale des Balco 3D sind ein Speicherkartenslot, ein beheizbares Druckbett sowie ein Arbeitsraum von 200 x 200 x 180 mm. Die maximale Druckgeschwindigkeit liegt bei 70 mm/s, während die Schichtauflösung im Bereich von 100 bis 400 µm einstellbar ist. Die Auftragserteilung erfolgt über microSD-Karte.

Wer aber nun angesichts der Masse des Balco 3D denkt, der 3D-Druck sei in seiner Grösse limitiert, der irrt. Kürzlich entstand in Russland mit Hilfe des industriellen 3D-Baudrucker S-6044 das erste Wohnhaus Europas. Dieses Portalmodell mit einem Arbeitsfeld von 3,5 x 3,6 x 1 m druckt mit Standard-M-300-Sandbeton, was praktisch überall auf dem Markt erhältlich ist. Der Druck erfolgt mit 10 mm hohen und 30 bis 50 mm breiten Schichten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 m2/h. Wenn Sie jetzt sagen, «Naja, ein Haus drucken kann doch jeder», dann hätte ich ein ganzes Bürogebäude im Angebot! Eine Stiftung in Dubai druckte kürzlich ein Bürogebäude mit einer Grundfläche von 250 m2. Sämtliche Teile, einschliesslich der Innenarchitektur und -einrichtung, stammen aus einem 36,6 × 12,2 x 6 m grossen 3D-Drucker. Eine spezielle Betonmischung, ein glasfaserverstärkter Gips und ein faserverstärkter Kunststoff wurden dabei Schicht für Schicht verschnittfrei zusammengefügt, so dass praktisch kein Bauschutt anfiel. Vom Aufbau des Druckers bis zum ersten Meeting vergingen keine drei Wochen. Und weil das so gut klappte, soll bereits in wenigen Jahren jedes vierte Haus der Wüstenmetropole gedruckt sein.

Es gibt aber auch Fälle, in denen die technischen Möglichkeiten zu allerlei Schindluder genutzt werden. So veröffentlichen kürzlich US-Hacker die 3D-Druckvorlage für den Generalschlüssel der US-Transportbehörde TSA. Mit diesem Schlüssel lassen sich Millionen von Koffern öffnen. Ein anderer «Tüftler» stellte 2013 die Pläne einer voll funktionsfähigen Schusswaffe ins Internet. Die Pistole besteht aus 16 Einzelteilen, von denen sich 15 mit einem 3D-Drucker herstellen lassen. Einzig der Schlagbolzen der Waffe ist aus Metall und besteht aus einem handelsüblichen Nagel.

Alle Beispiele zeigen, wie gross das Potential der 3D-Drucker sowohl im privaten als auch im industriellen Bereich ist – ganz zu schweigen im medizinischen. Ich denke, wir stehen hier erst am Anfang, weshalb wir gespannt sein dürfen, was als nächstes kommt.