3D-Prototyp GmbH stattet Schweizergarde mit gedruckten Kunststoffhelmen aus

Morion 2.0 hat es in sich…

Nach über 500 Jahren stellt die Schweizergarde ihre Kopfbedeckung von Blech auf Kunststoff um. Bild: istock.com
Markus Back / Chefredaktor Smart Tech /

Die Schweizergarde bewahrt zukünftig selbst an heissen Tagen einen kühlen Kopf. Verantwortlich dafür ist die Stanser 3D-Prototyp GmbH. Sie druckt der päpstlichen Leibwache derzeit trageleichte Kunststoffhelme mit integrierten Belüftungskanälen.

Tradition und Innovation stehen keineswegs im Widerspruch. Bestes Beispiel hierfür ist die Schweizergarde. Diese ersetzt sukzessive ihre rund zwei Kilogramm schweren Helme aus Eisenblech durch trageleichte Kunststoffversionen. Diese wiegen knapp 200 Gramm weniger als die bisherigen Hauben, absorbieren weniger Hitze als diese und verfügen zudem über ein raffiniertes Belüftungssystem. Letzteres leitet die Stauwärme durch Verzierungen im Kamm ab und erleichtert so das Strammstehen unter mediterraner Sonne zumindest ein bisschen. Schwere Hautreizungen der Kopfhaut, die an heissen Tagen mit der blechernen Ausführung nicht selten sind, gehören mit Version 2.0 des Morions ebenfalls der Vergangenheit an.

Fertigungszeit um Faktor 10 verkürzt

Es bedarf schon eines genaueren Blicks auf den Helm des Gardisten, um die darin steckende handwerkliche Fertigkeit zu erkennen. Die Glocke des Morions ist konisch geformt und von einer breiten Krempe umgeben, welche an den Seiten abfällt, vorne und hinten jedoch spitz zusammenläuft. Selbst ein geübter Schmied benötigt für die Herstellung dieser aussergewöhnlichen Form rund einhundert Arbeitsstunden – ohne Verzierungen und Wappen. Bei 100 Helmen, die es zu ersetzen gilt, nicht gerade das kostengünstigste Fertigungsverfahren.

Zum Glück braucht es heute nicht mehr zwingend Hämmer, Zangen und Gesenke, um den Schweizergardisten einen Helm zu verpassen. Ein dreidimensionaler Scan eines Morions genügt, um von diesem beliebig viele Abbilder zu drucken. Gut, ein 3D-Designer muss die gescannten Daten zunächst aufbereiten, aber danach steht einer kostengünstigen Vervielfältigung nichts mehr im Wege! Die 3D-Prototyp GmbH erledigt dies mit dem Jet-Fusion-Verfahren und druckt den Kopfschutz so in rund zehn Stunden aus schlagzähem sowie UV- und witterungsbeständigen Acrylnitril-Styrol-Acrylat-Copolymer – inklusive eines getriebenen Wappens von Julius dem Zweiten (1503-1513), der im Jahr 1506 die Schweizergarde als päpstliche Leibwache gründete.

Losgrösse 1 macht keinen Sinn

Statt Blech nun Kunststoff? Für die Schweizergardisten, die an Ostern die ersten 40 Helme erhielten, überhaupt kein Problem. «Der Kommandant hatte grosse Freude und es waren auch viele Ex-Gardisten vor Ort, die den neuen Helm in Augenschein genommen haben», sagt Geschäftsführer Marcus Risi von der 3D-Prototyp GmbH: «Ich habe nicht jeden Kommentar gehört, aber die Rückmeldungen, die ich erhalten habe, waren alle durchweg positiv.»

Obwohl im Zeitalter individueller Fertigung und Losgrösse 1 ein passgenauer Druck auf die Kopfgrösse des jeweiligen Trägers möglich wäre, entsteht der Morion nur in zwei Grössen. Da die Helme im Idealfall mindestens so lange wie ihre Vorgänger im Einsatz sein sollen, sitzen sie bis zur Ausmusterung auf so manchem Kopf. Daher wird wie bei der Gründung der Schweizergarde vor 500 Jahren mit dem Innenleder das Spiel zwischen Kopf und Morion kompensiert. Wie gesagt, Tradition und Innovation müssen nicht zwingend im Widerspruch stehen.