Rückblick Jahrestagung Industrie 2025 – Referat Swissmem-Präsident Hans Hess

Vernetzung im grossen Stil

Damit die Schweiz bei der digitalen Transformation vorn mit dabei ist, braucht es aus Sicht von Hans Hess eine Vernetzung im grossen Stil. Bild: Swissmem
Markus Back / Chefredaktor Smart Tech /

Industrie 4.0 bietet gerade Schweizer Unternehmen sehr viele Chancen. Damit diese aber von den vielfältigen Möglichkeiten profitieren können, ist es mit der Vernetzung von Maschinen und Dinge allein nicht getan. Diese muss viel umfassender sein.

Bei der Jahrestagung «Industrie 2025» in Brugg-Windisch liess Hans Hess keinen Zweifel daran, was die Schweiz ist: «Wir sind ein KMU-Land!» Er findet das gut, denn KMU sind schnell und flexibel, was beim Gewinnen von Aufträgen spielentscheidend ist. Und dies dürfte hiesigen Unternehmen aus seiner Sicht noch besser gelingen, sofern sie die Chancen der Digitalisierung nutzen. Denn eine bessere Vernetzung mit dem Kunden, ist der Swissmem-Präsident überzeugt, fördere das Verständnis für dessen Applikation und führe damit zwangsläufig zu mehr Innovation. Aber auch die operative Effizienz oder die Beschaffungskompetenz seien Themen, die sich mit Hilfe von Industrie 4.0 extrem gut unterstützen liessen. «Wir müssen zudem im In- und Ausland vernetzt sein, damit wir die Fachkräfte finden, um den digitalen Weg gehen zu können», so Hans Hess.

Vernetzung mit Transfer-Instituten 

Die bessere Vernetzung mit dem Kunden ist gemäss Hans Hess aber nur ein Schritt, um die Innovationsfähigkeit sicherzustellen und auszubauen. Mindestens ebenso wichtig ist für ihn die konsequente Vernetzung mit der Wissenschaft. «Die Forschung in einer Hochschule ist nutzlos, wenn sie nicht in die Praxis kommt und in einem Produkt oder einer Dienstleistung mündet», ist der studierte Werkstofftechniker überzeugt. Daher sind für ihn der Technologietransfer und der Dialog mit typischen Transfer-Institutionen wie der Empa, dem CSEM oder dem Inspire entscheidend.

Die Forschung in einer Hochschule ist nutzlos, wenn sie nicht in die Praxis kommt

Neben der Vernetzung braucht es für ihn weiterhin eine Auseinandersetzung mit den Themen Robotik und Automation. Zwar sei die Automation im Hochlohnland Schweiz seit Jahrzehnten ein Thema, doch diese sei heute sehr viel leistungsfähiger als noch vor einigen Jahren. Als Beispiel nannte er die kollaborative Robotik, die sich nicht mit den gefährlichen Industrie-Robotern von einst vergleichen lasse und gerade dem hiesigen Standort enorme Chancen biete. Vor der Artificial Intelligence, die in diesem Zusammenhang oftmals genannt werde, brauche man sich nach seiner Ansicht nicht zu fürchten. «Die Maschinen lernen viel schneller und viel effizienter, um die Aufgaben zu lösen, die sie übertragen bekommen. Es ist aber unser Entscheid, welche Aufgaben wir ihnen übertragen wollen», sagt Hans Hess.

Vernetzung der Informatik

Welche Konsequenzen leitet ein weitsichtiger Unternehmer nun aber aus diesen Entwicklungen ab? Gemäss Hans Hess sollte sein Augenmerk zunächst einmal der Produkt-Markt-Strategie gelten. Und in dieser sollte er in erster Linie festhalten, nur noch Produkte zu fertigen, die sich vernetzen lassen. Dies sei nicht nur wegen einer vorausschauenden Wartung und einer höheren Produktivität wichtig, sondern eine Voraussetzung für neue Geschäftsmodelle: «Das Generieren und Analysieren der Daten gestattet uns vollkommen neue Dienstleistungen.» Und auch hier zeigt Hans Hess ganz ähnlich wie beim Thema Artificial Intelligence keine Furcht. «Es braucht trotz des Internets auch weiterhin viele ‚things‘, welche die Industrie entwickeln und herstellen muss», ist der 63-Jährige überzeugt. Vielmehr schaffe die Digitalisierung die Möglichkeit, mit dem Kunden enger, einfacher und schneller zu kommunizieren und sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Gleiches gelte für Lieferanten und Partner. Für diese Agilität brauche es aber vernetzte Informatik.

Vernetzung mit Netzwerkpartnern

Entscheidend für eine erfolgreiche Digitalisierung sind nach Meinung von Hans Hess der Mensch und dessen Wissen. Weil es sich KMU aber nicht immer leisten könnten, die erforderlichen Kompetenzen aufzubauen, sei die Vernetzung umso wichtiger. «Man muss weltweit Netzwerkpartner finden, mit denen man sich austauschen kann und die ihr Wissen und ihre Kompetenzen einbringen können», so der Swissmem-Präsident. Und dieses Wissen braucht es gemäss seiner Meinung auf allen Ebenen – bei den Ingenieuren in der Entwicklung, bei den Mitarbeitern, die später diese Ideen umsetzten, aber auch auf Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsstufe. «Wir müssen alle für die digitale Reise begeistern und ein wichtiger Schlüssel hierbei wird das lebenslange Lernen sein», ist Hans Hess überzeugt. Daher sei es nicht damit getan, ausschliesslich junge Menschen für eine MINT-Ausbildung zu begeistern. Durch gezielte Umschulungen müssten auch ältere Arbeitnehmer für den digitalen Weg fit gemacht werden. Denn bei aller Euphorie ist sich Hans Hess eines bewusst: «Es gibt Berufe, die es in Zukunft nicht mehr oder nur noch in geringerer Anzahl geben wird. Dafür gibt es andere oder vollkommen neue Tätigkeiten, für die es gut ausgebildete Leute braucht.»

Zu guter Letzt

Damit die digitale Transformation zum Erfolg wird, bedarf es nach Einschätzung in den Unternehmen neben Wachsamkeit auch die Bereitschaft zur Anpassung sowie Offenheit und Neugier: «Zudem müssen wir den Mut haben, Dinge zu versuchen und nicht gleich resigniert aufzugeben, wenn es nicht auf Anhieb klappt.» Gerade die Schweiz habe mit ihrer Innovationsfähigkeit und ihrer Hochschullandschaft eine sehr gute Ausgangslage, um den digitalen Weg erfolgreich zu gehen.